HUBER.HUBER

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huber.huber and the authors

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Écouter la Terre
mudac, Museum of Contemporary Design and Applied Arts, Place de la Gare 17, 1003 Lausanne, Suisse

Der Erde zuhören - mudac collection
18.06 – 25.09.2022

Adrien Chevalley (CH), Céline Cléron (FR), Laura Couto Rosado (CH), Bouke de Vries (BE), Boris Dennler (CH), Anaïs Dunn (FR), FormaFantasma (IT), Laure Gonthier (CH), Fabrice Gygi & Marine Julié (CH, FR), David Horvitz (US), huber.huber (CH), Claudie et Francis Hunzinger (FR), Anne Knödler (D), Tomas Kral (SL), Tomas Libertiny (SK), Benoît Maire (FR), Yusuké Offhause (FR/JP), Yann Oulevay (CH), Sandrine Pelletier (CH), Adrien Rovero (CH), Denis Savary (CH), Maude Schneider (CH), Bernhard Schobinger (CH), Brynjar Sigurdarson (IS), Verena Sieber-Fuchs (CH), Studio Wieki Somers (NL), Nel Verbeke (BE), Pedro Wirz (CH/BR)

Die Klima- und Umweltkrise ist sicherlich die grösste Herausforderung des 21. Jahrhunderts, der sich die Menschheit zu stellen hat. Die Erde leidet und sucht uns durch verschiedene Mittel zu warnen: Klimastörungen, steigende Wasserstände, Rückgang der Artenvielfalt oder Aussterben bestimmter Arten. Die ökologische Dringlichkeit ist in allen Teilen der Erde zu spüren, auch in der Welt des Designs und der angewandten Kunst. Das mudac, das seine Sammlung auf aktuelle gesellschaftliche Themen ausrichtet, nimmt seit einigen Jahren Stücke auf, die uns darauf aufmerksam machen, was die Erde uns zu sagen hat.

Écouter la Terre – Der Erde zuhören lässt uns in die Sammlung des mudac eintauchen, in deren verschiedenen miteinander verknüpften Bereichen – Design, Keramik, Glaskunst, zeitgenössische Druckgrafik und zeitgenössischer Schmuck – sich die Herausforderungen des Klimawandels spiegeln. Die Werke bestätigen das Engagement der Designer:innen und öffnen den Blick auf das, was möglich erscheint. Sie sind ein Appell an uns, die Natur nicht mehr nur unter dem Gesichtspunkt der Rentabilität, der Produktivität oder als grenzenlose Ressource zu betrachten, die den menschlichen Aktivitäten zu dienen hat. Sie bitten uns, auf die Phänomene zu hören, die von der Vielfalt unseres Planeten zeugen, und uns der Gefährdung dieses Gleichgewichts bewusst zu werden.

Kuratorium Amélie Bannwart & Isaline Vuille

Écouter la Terre

Die Klima- und Umweltkrise ist die wohl größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts, der sich die Menschheit stellen muss. Täglich erreichen uns neue Daten, neue Meldungen von Expert*innen, neue Erlebnisberichte. Die Erde leidet. Und sie versucht, uns auf vielfältige Art und Weise zu warnen: durch den Klimawandel, das Ansteigen der Meeresspiegel, den Rückgang der Artenvielfalt, und sogar durch das Aussterben bestimmter Tierarten. Die Umweltkrise ist in allen Teilen der Welt spürbar - auch in der Welt des Designs und der angewandten Kunst. Seit einigen Jahren trägt das mudac - das seine Sammlung stets in Einklang mit aktuellen gesellschaftlichen Themen erstellt - Arbeiten von Designer*innen, Kunsthandwerker*innen und Kunstschaffenden zusammen, die unsere Aufmerksamkeit auf das lenken, was die Erde uns sagen will. Dabei hat sich das Museum mit seiner Erwerbungspolitik einer klaren Positionierung im Hinblick auf aktuelle Anliegen verschrieben und möchte mit den Werken neue Wege zu einem intensiveren Nachdenken aufzeigen. Die Ausstellung Der Erde zuhören lädt zum Eintauchen in die Sammlung des mudac ein, in der die vielfältigen Disziplinen, aus denen sie sich zusammensetzt - Design, Keramik, Glaskunst, Grafik und zeitgenössischer Schmuck - zusammentreffen und die Herausforderungen des Klimawandels widerspiegeln. Die Exponate zeugen vom Engagement der Designer*innen und eröffnen uns das Feld der Möglichkeiten mit zuweilen ganz konkreten Lösungsvorschlägen. Sie sind ein flehentlicher Appell an uns, die Natur nicht länger nur unter dem Aspekt ihrer Rentabilität und Produktivität oder als eine unerschöpfliche und nur den menschlichen Bedürfnissen dienende Quelle zu betrachten. Sie sind eine inständige Bitte, all den Phänomenen Beachtung zu schenken, die von der in unserem Universum bislang einzigartigen Vielfalt und Lebenskraft unseres blauen Planeten zeugen. Und sie sind ein Aufruf, uns die Fragilität eben dieses Gleichgewichts bewusst zu machen. Dabei versteht sich diese Ausstellung nicht als erschöpfende oder detaillierte Abbildung all der Klimaprobleme, die dringende Antworten erfordern. Vielmehr möchte sie die kreativen Arbeiten ins Licht rücken, die sich mit diesen Fragen befassen. Die ausgestellten Werke beschäftigen sich mit so unterschiedlichen Themen wie seismischen Kräften, der Gletscherschmelze, dem Umgang mit natürlichen Ressourcen, dem Upcycling, der gentechnischen Veränderung von Saatgut, Waldbränden und dem Insektensterben. Einige dieser Themen werden in der zukünftigen Programmplanung des Museums aufgegriffen und weiter vertieft werden. Gegliedert in drei Bereiche mit unterschiedlichem Ambiente, lädt Der Erde zuhören zu einem Gang durch eine Szenografie ein, die an eine natürliche Landschaft erinnert. Anthrazitfarbene Felsen verkörpern eine raue Natur, die gleichzeitig die Erde, Vulkane oder Berge symbolisiert. Ein farbiges Wandgemälde schmückt die gesamte Ausstellung und bildet ein imaginäres Gelände ab, dessen Kurven an Hügel, Gesteinsschichten, tellurische Ströme oder Schallwellen erinnern. Diese Schwingungen führen uns schließlich zu einem letzten Raum mit gedämpfter Atmosphäre, der einen Ort des lnnehaltens und der Reflexion bietet, inmitten all des menschlichen Lärms, der uns, so scheint es, nur allzu oft taub werden lässt gegenüber den Klagen unseres Planeten, Dem Beispiel der Künstler*innen und Designer*innen folgend, lädt die Ausstellung jede*n von uns dazu ein, eine harmonischere Beziehung zur Erde zu entwickeln - und ihr aufmerksamer zuzuhören.

EINE BOTSCHAFT AUS DER KÄLTE

Der Klimawandel hat starke Auswirkungen auf die weltweite Eisschmelze - das Schmelzen der Polkappen. der Berggletscher oder des einjährigen und mehrjährigen Packeises. Die durch den zunehmenden Ausstoß von Treibhausgasen ausgelöste Erderwärmung beschleunigt die Schmelze und führt zum Rückgang der Gletscher auf der ganzen Welt. Die Folgen sind weitreichend und verhängnisvoll: Die Meeresspiegel steigen (Voraussagen sprechen von mehr als einem zusätzlichen Meter bis 2100) und mit ihnen die Überschwemmungen in Küstenregionen - früher oder später dürften bestimmte Gebiete vollständig von Wasser bedeckt sein -, die Meere übersäuern, die in Eis gebundenen Süsswasserreserven verringern sich, und auch die Landwirtschaft in bestimmten Regionen, in denen die Flüsse von den Gletschern gespeist werden, ist betroffen. Die Exponate in diesem Bereich der Ausstellung spiegeln die ökologischen Probleme wider, die mit der drastischen Beschleunigung der Eisschmelze in den letzten Jahrzehnten zusammenhängen. Sie laden uns ein, die Klagen des immer weiter schrumpfenden Packeises zu erhören und uns - im übertragenden Sinne - nicht nur der Spitze, sondern dem verborgenen Teil des Eisbergs zuzuwenden und die Risiken zu erkennen, welche die Eisschmelze mit sich bringt. Die Werke enthüllen dieses fragile Gleichgewicht und verweisen gleichzeitig auch auf die Schönheit und das Faszinierende des Eises, auf seine zarten Nuancen und seinen Glanz und fordern uns damit auf, all dies zu schützen und zu bewahren.


HUBER.HUBER - Reto & Markus Huber* 1975 / CH

EISBERG
2021 /Keramik, Sand, Wasser, Glas / 70 x 35 x 35 cm

In ihrem vielseitigen Werk, das Fotocollagen und Zeichnungen genauso wie Skulpturen und Installationen umfasst, erforschen die beiden Künstler die ambivalente Beziehung zwischen Zivilisation und Natur. Die Arbeiten des Duos laden ein zur Reflexion, insbesondere in Bezug auf das Bestreben des Menschen, die Welt zu beherrschen und alle Phänomene kategorisieren zu wollen, um sie wissenschaftlich besser zu erfassen.

Bei der Arbeit EISBERG schwimmt eine Keramikskulptur in Form eines Eisbergs in einem Quader aus Glas. Das zerbrechliche Gleichgewicht der Elemente spielt die Landschaft nach und macht sichtbar, was normalerweise verborgen bleibt: den Teil des Eisbergs unter der Wasseroberfläche. Sigmund Freud, Gründer der Psychoanalyse zu Beginn des 20. Jahrhunderts, hatte den Eisberg als Symbolbild gewählt, um seine Vorstellung vom Unbewussten zu definieren. Danach repräsentiert der verborgene Teil den unbewussten Teil unserer Psyche, in dem unsere Instinkte, Ängste und unterdrückten Begierden liegen; der Teil über der Oberfläche bezieht sich auf all das, dessen der Mensch sich bewusst ist und was mit Erinnerungen, Gefühlen, Wünschen oder Sehnsüchten verbunden ist. Im Hinblick auf Freuds Theorie des Unbewussten und auf symbolische Art und Weise gibt uns der Eisberg von huber.huber die Möglichkeit, tatsächlich alle Facetten des Problems der Gletscherschmelze und deren Aufsplitterung in Eisberge wahrzunehmen. Wir wissen um dieses Problem und dessen Auswirkungen, und sind aufgefordert zu reagieren. Das Eis wird hier zu einem aktuellen und politischen Thema. Mit diesem Werk setzen die Künstler sich insbesondere mit der Rolle des Menschen im Umgang mit Wasserressourcen auseinander, die nach und nach zur Neige gehen. Sie unterstreichen auch die negativen Auswirkungen unserer Lebensweise auf unseren Planeten - eine Lebensweise, die einen drastischen Anstieg an Treibhausgasemissionen nach sich zieht, welche für die Erderwärmung und somit für die Eisschmelze verantwortlich sind. Dass Eisberge schmelzen, ist zwar zunächst ein natürlicher Prozess. Allerdings wird dieser Prozess durch die Erwärmung der Meere und der Atmosphäre so stark beschleunigt, dass diese natürliche Trinkwasserquelle zunehmend schwindet.


Écouter la Terre
mudac, Museum of Contemporary Design and Applied Arts, Place de la Gare 17, 1003 Lausanne, Suisse

Listening to the earth - mudac collection
18.06 - 25.09.2022

Adrien Chevalley (CH), Céline Cléron (FR), Laura Couto Rosado (CH), Bouke de Vries (BE), Boris Dennler (CH), Anaïs Dunn (FR), FormaFantasma (IT), Laure Gonthier (CH), Fabrice Gygi & Marine Julié (CH, FR), David Horvitz (US), huber. huber (CH), Claudie et Francis Hunzinger (FR), Anne Knödler (D), Tomas Kral (SL), Tomas Libertiny (SK), Benoît Maire (FR), Yusuké Offhause (FR/JP), Yann Oulevay (CH), Sandrine Pelletier (CH), Adrien Rovero (CH), Denis Savary (CH), Maude Schneider (CH), Bernhard Schobinger (CH), Brynjar Sigurdarson (IS), Verena Sieber-Fuchs (CH), Studio Wieki Somers (NL), Nel Verbeke (BE), Pedro Wirz (CH/BR)

The climate and environmental crisis is certainly the greatest challenge of the 21st century that humanity has to face. The earth is suffering and seeks to warn us through various means: climate disruption, rising water levels, decline in biodiversity or extinction of certain species. The ecological urgency is felt in all parts of the planet, including the world of design and applied arts. The mudac, which focuses its collection on current social issues, has for some years been taking in pieces that draw our attention to what the earth has to say to us.

Écouter la Terre - Listening to the Earth immerses us in the mudac's collection, whose various interrelated fields - design, ceramics, glass art, contemporary prints and contemporary jewellery - reflect the challenges of climate change. The works confirm the commitment of the designers and open our eyes to what seems possible. They are an appeal to us to stop looking at nature only from the point of view of profitability, productivity or as a limitless resource that has to serve human activities. They ask us to listen to the phenomena that bear witness to the diversity of our planet and to become aware of the threats to this balance.

Curators Amélie Bannwart & Isaline Vuille

Écouter la Terre

The climate and environmental crisis is probably the greatest challenge facing humanity in the 21st century. Every day we receive new data, new reports from experts, new accounts of experiences. The earth is suffering. And it is trying to warn us in many ways: through climate change, rising sea levels, declining biodiversity, and even the extinction of certain animal species. The environmental crisis is felt in all parts of the world - also in the world of design and applied arts. For several years now, the mudac - which always builds its collection in line with current social issues - has been bringing together works by designers, craftspeople and artists that draw our attention to what the earth is trying to tell us. With its acquisition policy, the museum has committed itself to a clear positioning with regard to current concerns and would like to use the works to show new ways of thinking more intensively. The exhibition Listening to the Earth invites visitors to immerse themselves in the mudac's collection, where the diverse disciplines that make it up - design, ceramics, glass art, graphics and contemporary jewellery - come together to reflect the challenges of climate change. The exhibits bear witness to the commitment of the designers and open up the field of possibilities for us with sometimes very concrete proposals for solutions. They are a pleading appeal to us to stop looking at nature only in terms of its profitability and productivity, or as an inexhaustible resource serving only human needs. They are a fervent plea to pay attention to all the phenomena that bear witness to the diversity and vitality of our blue planet, unique so far in our universe. And they are a call to make us aware of the fragility of this very balance. This exhibition is not intended to be an exhaustive or detailed portrayal of all the climate problems that require urgent answers. Rather, it aims to shine a light on the creative works that address these issues. The works on display address issues as diverse as seismic forces, glacial melt, natural resource management, upcycling, genetic modification of seeds, forest fires and insect mortality. Some of these topics will be taken up and further explored in the museum's future programming. Divided into three areas with different ambiences, Listening to the Earth invites visitors to walk through a scenography reminiscent of a natural landscape. Anthracite-coloured rocks embody a rough nature that simultaneously symbolises the earth, volcanoes or mountains. A colourful mural adorns the entire exhibition and depicts an imaginary terrain whose curves are reminiscent of hills, layers of rock, telluric currents or sound waves. These vibrations finally lead us to a final space with a muted atmosphere that offers a place to pause and reflect amidst all the human noise that all too often, it seems, makes us deaf to the laments of our planet. Following the example of the artists and designers, the exhibition invites each of us to develop a more harmonious relationship with the earth - and to listen to it more attentively.

A MESSAGE FROM THE COLD

Climate change is having a strong impact on global ice melt - the melting of the polar ice caps, mountain glaciers or annual and perennial pack ice. Global warming, triggered by increasing emissions of greenhouse gases, is accelerating the melting and leading to the retreat of glaciers around the world. The consequences are far-reaching and disastrous: sea levels are rising (predictions speak of more than an additional metre by 2100) and with them flooding in coastal regions - sooner or later certain areas are likely to be completely covered by water - the oceans are over-acidifying, the freshwater reserves bound up in ice are diminishing, and agriculture in certain regions where rivers are fed by the glaciers is also affected. The exhibits in this section of the exhibition reflect the ecological problems associated with the drastic acceleration of ice melt in recent decades. They invite us to listen to the lamentations of the ever-shrinking pack ice and - figuratively speaking - to turn our attention not only to the tip, but to the hidden part of the iceberg and to recognise the risks that the melting of the ice entails. The works reveal this fragile balance and at the same time also point to the beauty and fascination of ice, to its delicate nuances and its shine, thus calling on us to protect and preserve all of this.

HUBER.HUBER - Reto & Markus Huber* 1975 / CH

EISBERG
2021 /ceramics, sand, water, glass / 70 x 35 x 35 cm

In their multifaceted work, which includes photo collages and drawings as well as sculptures and installations, the two artists explore the ambivalent relationship between civilisation and nature. The duo's works invite reflection, especially in relation to man's desire to dominate the world and to categorise all phenomena in order to better grasp them scientifically.
In the work EISBERG, a ceramic sculpture in the shape of an iceberg floats in a cuboid of glass. The fragile balance of the elements replays the landscape and makes visible what normally remains hidden: the part of the iceberg beneath the surface of the water. Sigmund Freud, founder of psychoanalysis at the beginning of the 20th century, had chosen the iceberg as a symbolic image to define his concept of the unconscious. According to this, the hidden part represents the unconscious part of our psyche, where our instincts, fears and repressed desires lie; the part above the surface refers to all that the person is aware of and which is connected to memories, feelings, wishes or desires. In terms of Freud's theory of the unconscious and in a symbolic way, huber.huber's iceberg gives us the opportunity to actually perceive all facets of the problem of the melting of the glacier and its splitting into icebergs. We know about this problem and its effects, and are called upon to react. The ice becomes a topical and political issue here. With this work, the artists particularly address the role of humans in dealing with water resources that are gradually running out. They also underline the negative effects of our way of life on our planet - a way of life that entails a drastic increase in greenhouse gas emissions, which are responsible for global warming and thus for the melting of the ice. It is true that icebergs melting is initially a natural process. However, this process is accelerated by the warming of the oceans and the atmosphere to such an extent that this natural source of drinking water is increasingly dwindling.