HUBER.HUBER

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huber.huber and the authors

huber.huber
Isla Fantasma 22.04.22 – 28.05.22

/DuflonRacz/ /Gerechtigkeitsgasse 40/ CH 3011 Bern/

Eine «Isla fantasma» bezeichnet eine Insel, die auf historischen Karten verzeichnet oder in historischen Schriftstücken beschrieben ist, aber tatsächlich nie existierte. Phantominseln sind nach heutigem Wissensstand weder sicher auf eine bestehende Insel ableitbar noch vulkanisch, tektonisch, klimatisch oder durch Erosion unter den Meeresspiegel gesunken. Die meisten Phantominseln waren zeitweise auf Seekarten eingetragen – sei es als Folge von Irrtümern, Fehlbeobachtungen, nicht überprüfter Legenden («Seemansgarn»), oder absichtlicher Erfindung.

Die Ausstellung beginnt im dunklen Raum mit der Skulptur Antilia, eine Insel aus der dreiteiligen Werkgruppe «Phantominseln». Der Name bezieht sich auf eine Insel, von der man im 15. Jahrhundert glaubte, dass sie in der Mitte des Atlantiks zu finden sei. Die Insel aus Keramik steht im Wasser und ist mit über 20 verschieden Arten von Luftpflanzen oder Tillandsien bewachsen. Ein kleine blaue Insellagune ist für den Duft des Raumes verantwortlich. Wie die Insel, hat auch der Duft Modellcharakter: Es ist ein herkömmlicher Raumduft namens «Ein Tag am Meer». Dieser synthetische Duft mischt sich mit dem natürlichen Duft der Pflanzen, die auf der Skulptur wachsen.

Drei Leuchtkästen im selben Raum zeigen Bilder von Himmel und Meer, wie man sie von der Insel «Antilia» aus sehen könnte. «Antilia» kann als Modell für die idealisierte Vorstellung des Fleckens unberührter Natur mitten im blauen Meer gelesen werden. Der synthetische Raumduft hat nichts oder nur wenig mit den natürlichen Gerüchen des Meeres gemein. Der Raumduft ist harmlos, ohne Charakter, und wirkt künstlich fremd. Inseln und damit verknüpfte utopische, exotische, idyllische und erotische Assoziationen sind ein zentrales Motiv in der Literatur- und Kulturgeschichte. In der Moderne steht die Insel für den Sehnsuchtsort schlechthin. Die Künstler huber.huber sehen den Fluchtpunkt dieses Sehnsuchtsortes in der Identifikation der Insel mit dem Ursprung und Zuständen eines irdischen Paradieses. Die Insel steht für einen romantisierten Ort der Ruhe und Abgeschiedenheit – ein Gegenpol zu unseren hektischen, dicht besiedelten Städten.

Die Skulptur kann aber auch im Kontext des Klimawandels gelesen werden. Mit dem ansteigenden Meeresspiegel werden nach und nach ganze Inselstaaten im Meer versinken und haben damit einiges mit den Phantominseln gemeinsam. Zwar hat es dann diese Inseln einmal gegeben – aber irgendwann werden die Karten überarbeitet und die Inseln werden aus den Aufzeichnungen verschwinden, wie es bei den Phantominseln geschah.

Das Spiel zwischen Wirklichkeit und Künstlichkeit wird im zweiten Raum weiter gesponnen. Ein dichter Inseldschungel erzählt von Träumen und Ängsten. Exotische Zimmerpflanzen schauen die Besucher*innen mit ihren Augen an, eine Schlange tanzt mit einer Krawatte, fleischfressende Pflanzen fressen Kleintiere oder rauchen Zigaretten. Ein wuchernder Bildkosmos aus Fotografien und Collagen lässt einem in eine fremde Welt voller Brüche eintauchen.

Das Künstlerduo huber.huber (Reto und Markus Huber, *1975) arbeitet vielschichtig in den Bereichen Zeichnung, Collage, Fotografie und Installation. Stets mit einem poetisch-ästhetischen Anspruch und einer Nuance Ironie und Skurrilität kommentieren sie künstlerisch das wechselhafte Verhältnis von Menschen, Natur und Kultur.