HUBER.HUBER

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Value the Process
TART ZÜRICH, Gotthardstrasse 54, CH - 8002 Zürich
www.tartart.ch

May 09 - June 15 2019

Artists Matthias Gubler, huber.huber Enrico Nagel, Eirini Sourgiadaki/Anna Rubi und Olga Titus

«Value the Process» thematisiert das prozesshafte Arbeiten in der Kunst und versucht gleichzeitig den pluralen und fluiden Gesellschaftskonzepten unserer heutigen Zeit nachzugehen. Gezeigt werden ausschliesslich Collage-Arbeiten. Bemerkenswert an diesen 5 künstlerischen Positionen ist die performative Dimension, die allen Arbeiten innewohnt, so unterschiedlich sie auch wahrgenommen werden.

Huber.Huber collagieren in ihren Arbeiten das ambivalente Verhältnis zwischen Natur und Kultur. In ihren Collagen findet sich immer wieder diese sonderbar eigenwillige Schwere, sie ist ironisch, poetisch und skurril zugleich. Matthias Gubler beschäftigt sich in seinen Videocollagen genau wie das Künstlerinnenkollektiv Eirini Sourgiadaki/Anna Rubi mit Themen des digitalen Storytellings. Beide Positionen, die von Matthias Gubler, sowie die von Eirini Sourgiadaki/Anna Rubi reflektieren über die Notwendigkeit von narrativen Prozessen, komplexe algorithmische Zusammenhänge verdrängen unsere analoge, abstrakte Vorstellungskraft. Enrico Nagel, der bereits für zahlreiche Zeitungen und Magazine, wie z.B. Harpers Bazaar und DIE ZEIT Collagen publiziert hat, versucht den digitalen Einheitsbrei visuell gestalteter Hochglanzmagazine mit unikalen Collagen aufzumischen. Seine Arbeiten sind reduziert und erschliessen dem Betrachter mit kontrastierenden Materialien und verfremdenden Formen neue utopische Denkräume. Olga Titus’ Bildteppiche, die allesamt leicht überladen und farbprall wirken, irritieren. Sie irritieren aber nicht nur weil sie aus verschiedensten Bildquellen speisen, sondern weil sie «handfeste» Ebenen aufzeigen, zu dreidimensionale Collagen werden und uns so näherbringen, was Verschiebung und Veränderung bedeuten kann.

Womöglich ist nur die Collage als künstlerisches Ausdrucksmittel im Stande, Prozesshaftes erkennbar zu machen. Robert Rauschenberg (Zitat: «Value the Process») war von dieser Idee den Prozess der Herstellung sichtbar zu machen, überzeugt. Collagen nahm er nicht als abgeschlossene "Kunst-Konstrukte” wahr, er empfand sie als Relikte, die den permanenten Prozess kultureller Erneuerung vermitteln und so undurchsichtigen Machtstrukturen entgegen steuern. Collagen versinnbildlichen Eigensinniges und stellen sich jeder homogenisierten, sinnentleerten Kommerzialisierung entgegen. Collagitertes und Assembliertes steht für Transparenz, somit sind sie eine Rückbesinnung auf die eigene Handlungsmacht. Collagen vermitteln nicht nur in ihrer visuellen Sprache Prozesshaftigkeit, sondern sind grundsätzlich fähig kollektive Prozesse der Aneignung und Perspektivierung aufzuzeigen, indem sie eine Beziehung zwischen Möglichkeit und Imagination aufbauen.

huber.huber collagieren in ihren Arbeiten immer wieder das ambivalente Verhältnis zwischen Natur und Kultur. In den meisten ihrer Arbeiten ist diese sonderbar eigenwillige Schwere zu sehen, gleichzeitig sind die Arbeiten oft ironisch, poetisch aber auch skurril. 84 Elements ist eine Serie von Collagen mit Akten verschlungener Körper, die von zarten weiss- und rosaschimmernden Kristallsternen bedeckt sind. Himalayasalz wird in der Esoterik als Allheilmittel für alle Zivilisationskrankheiten angepriesen. Dies wird vor allem damit begründet, dass dieses Salz 84 chemische Elemente in einem ähnlichen Mischungsverhältnis enthalten würde, wie das menschliche Blut und somit würde dieses Salz «energetische Schwingungen» im menschlichen Organismus hervorrufen, allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Belege für die positiven Auswirkungen von Himalayakristallsalz.
Kommen die Protagonisten also wegen des Salzes in Wallungen? Muss man esoterisch verstrahlt
sein, um an die Heilkraft dieses Salzes zu glauben? Legt man sich einen Achat auf die Brust und ist danach von Allem und jedem gefeit und wenn man sie zusätzlichnoch x-beliebig zusammenpantscht, dann setzen sich die verschiedensten Eigenschaften in komprimierter Form frei. Es ist doch einfacher an all das zu glauben und fehlende Nachweise damit zu begründen, dass es zwischen Himmel und Erde Unerklärliches gibt. Die Esoterik kennt keine Fehler, für die Wissenschaft aber ist die eigene Fehlbarkeit dringliche Notwendigkeit, weil nur dadurch weitergeforscht wird. Wenn wir aber von Beginn an Fehler ausschliessen, dann laufen wir Gefahr, dass sich unsere Beschreibung der Wirklichkeit nicht mehr mit der Wirklichkeit selbst deckt und damit an Aussagekraft verliert. Diese Fragen gesellschaftlicher Verschiebungen und Prozesse aber auch die kritische Haltung zivilisatorischer Errungenschaften, sowie Macht- und Dominanzverhältnisse zwischen Mensch und Natur sind zentrale Themen in den Arbeiten von
huber.huber. Catrina Sonderegger, 2019

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