HUBER.HUBER

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Vor dem Ereignis wird der Himmel Zeichen geben 2011

Wandzeichnungen: Kohle. Objekte: verschiedene Grössen: Glasscheiben beklebt, Rahmen schwarz lackiert

Installation (Loeb-Warenhaus Bern: Treppenhaus) Masse variabel

Für ETAGEN ließen huber.huber sich von einem Ereignis inspirieren, das kürzlich stattfand: Tausende von Vögeln fielen tot vom Himmel – die Ursache blieb bis heute ein Rätsel. Endzeitprediger sahen im Vorfall ein “Zeichen“ für die beginnende Apokalypse, wie sie in der Offenbarung des Johannes angekündigt wurde. Mit dem in ihren Arbeiten lauernden Witz wurde das Naturphänomen aufgenommen und im Treppenhaus intelligent umgesetzt: Bilderrahmen stehen am Boden, die Scheiben beklebt mit Vogel-Stickern, die gebraucht werden, damit Vögel nicht in Fensterscheiben fliegen. Mit der Überklebung werden die gerahmten Glasscheiben zu Schattenrissen, einer Art Scherenschnitten – beleuchtet von den riesigen Treppenhausfenstern. Fliegen die Vögel, liegen sie – oder sind sie Reminiszenzen an die unerklärbaren Todesfälle, quasi schwarz gerahmte Todesanzeigen und somit ein Monument für die gefallenen, unbekannten Vögel? An den Wänden finden sich Kohlezeichnungen, die schemenhaft an Staubränder hinter jahrzehntelang aufgehängten Bildern erinnern.

Zuoberst im Treppenhaus ist die Videoarbeit “Land of Plenty“ zu sehen. Über einer Wasserfläche kreisen Raubvögel. Immer wieder stürzen sie sich runter, schnappen was und fliegen weg. Die Wolken zeichnen wunderbare Bilder auf der Wasserobefläche, stimmig untermalt mit eigens hergestelltem Sound von Michael Bucher. Bei längerem Hinsehen entpuppt sich die vermeintliche Bilderbuchidylle als technoides Kläranlagenbecken, die Zivilisation zerstört unvermittelt den “Locus Amoenus“, ja, Ekel macht sich gar breit, fischen die Vögel doch wortwörtlich “im Trüben“. Ein typisches Werk von huber.huber, in welchem die Ambivalenz von Natur und Kultur geschickt auf den Punkt gebracht wird.

Mit den eigens für ETAGEN hergestellten Arbeiten schaffen sie im Treppenhaus eine Art Gegenwelt zum bunten und lebendigen Warenhausbetrieb. Sie nehmen die Architektur geschickt auf; die Klinkerböden werden zum Klärschlammbecken - und von unten kommend lassen sich die BetrachterInnen treiben im Strudel der (End-)Zeit, deuten die Zeichen, die immer mehr vom Himmel her kommen, und entschwinden kreisend der Ausstellung. Was bleibt ist die Erinnerung; Schatten an Scheiben und Wänden als Reminiszenzen an eine andere Zeit, eine andere Welt. Bernhard Bischoff, September 2011

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