HUBER.HUBER

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KUNSTMAGAZIN PARNASS 3/2016

ZÜRICH Kunst- und Kulturraum
Künstlerateliers

HUBER. HUBER

Mit ihrem vielschichtigen und konzeptuellen Werk in Form von Collagen, Fotografien und Zeichnungen, skulpturalen Arbeiten und Installationen haben die Zwillinge Reto und Markus Huber (*1975) in den letzten Jahren in der Kunstwelt für Aufsehen gesorgt. "Unsere Werke weisen mehrere Ebenen auf, die erste kann recht harmlos und ruhig sein, bei längerer Betrachtung kippt diese dann jedoch - meist radikal. Das scheinbar Harmlose wirkt auf einmal irritierend, Vertrautes wird hinterfragt. Was idyllisch oder märchenhaft erscheint, grenzt plötzlich ans Abgründige", so Reto und Markus Huber. Eine kritisch fragende Haltung gegenüber der Kultur- und Wissenschaftsgeschichte ist charakteristisch für ihre konzeptuelle, künstlerische Arbeit, die stets mit einer intensiven thematischen Recherche verbunden ist. Motivisch schöpfen sie aus einem Fundus von antiquarischen Drucksachen, einem Sammelsurium an Objekten und auch aus dem Internet, "wobei oft die kuriosen Wege der zivilisatorischen Errungenschaften und die Dominanzverhältnisse zwischen Mensch und Natur im Fokus stehen", wie die Kunsthistorikerin Deborah Keller über huber.hubers Ausstellung im Aargauer Kunsthaus "Und plötzlich ging die Sonne unter" schrieb. Serielle Arbeiten wie "Sechstagewerk" oder "Survival of the Fittest", eine 21-teilige Serie von Kohlezeichnungen überzüchteter Tiere, darunter Zuchthähne, Goldfische oder Pudel, zeigen eindrücklich die thematische Intention der Künstler. "Unsere Themen sind dem Leben entnommen", so Markus Huber: "Es geht um die Ängste und Hoffnungen der Gesellschaft, um die Errungenschaften und das Zurückgeworfen-Werden, sei es durch Naturkatastrophen, durch Krieg oder einfach durch die Evolution“ Kunst heißt bei Markus und Reto Huber auf (Fehl-)Entwicklungen hinzuweisen, doch ohne moralisierend zu wirken, sondern im Gegenteil mit feiner Ironie und Humor die Dinge zu hinterfragen. Althergebrachte Symbole wie die schwarzen Katzen, die angeblich Unglück bringen, ist ebenso Thema wie das Versprechen, mit Hilfe von Rosenquarz angebliche negative Strahlen des Computers zu neutralisieren. Aktuell arbeiten sie an Bildern, die aus Salz entstehen, und an lackierten Steinen, deren Oberflächen durch Berührung durchsichtig werden und die natürliche Farbe und Struktur zurückerhalten. In den Atelierräumen eröffnet sich eine grandiose, fabelhafte Welt. Objekte ihrer Sammlung wie Vögel, Schlangen, Schmetterlinge, Kristalle, Flohmarktkopien antiker Statuen und Spraydosen, all diese Kuriositäten erhalten neue Rollen in ihren Arbeiten. Ebenso wurde auch schon die unmittelbar hinter dem Atelier befindliche Kläranlage, wo beeindruckend große Milane allerhand Kleintiere aus dem Wasser fangen, zum Thema einer Videoarbeit. Das bevorzugte Medium von huber.huber ist die Papier-Collage, sie nimmt eine besondere Rolle in ihrem Oeuvre ein, ergänzt und kombiniert mit figurativen Zeichnungen. Eine intensive Auseinandersetzung mit Material und Medium prägt insgesamt die besondere Qualität ihrer Arbeiten, mit denen sie auch international bereits reüssieren konnten.
Dabei haben die zwei jungen Männer ganz unkonventionell begonnen. Reto und Markus Huber sind gelernte Köche. Sie wuchsen außerhalb von Zürich in einem "Paradies" auf, mit großem Garten und See vor der Haustür, wie sie erzählen. Ein kreatives Umfeld, in dem sie schon früh gezeichnet haben. Sie studierten an der Zürcher Hochschule der Künste, zunächst nicht mit der Intention, ein gemeinsames Atelier aufzubauen - ganz im Gegenteil, wie sie im Gespräch betonen. "Doch irgendwann mussten wir feststellen, dass unsere Interessen und unsere Intentionen, Kunst zu machen, eng beieinanderlagen. Ebenso hat sich unsere Kunst in eine ganz andere Richtung entwickelt und wurde immer stärker konzeptuell. Wir haben dann alle unsere bisherigen Arbeiten 2005 vernichtet und das gemeinsame Atelier huber.huber gegründet." Neben den Collagen und Objekten zählen auch die Kunstbücher von huber.huber zu begehrten Sammlerstücken. Mit dem Verlag Patrick Frey und dem Kunsthaus Glarus konnten sie das 280-seitige Künstlerbuch "Universen" realisieren. Im selben Verlag erschien auch ihr aktuelles Künstlerbuch, ein gemeinsames Projekt mit dem Berner Dichter Jürg Halter mit dem schönen Titel "Hoffentlich verliebe ich mich nicht in dich" - fotografisch-literarische Beiträge von absurdem Humor. CMH/ SA